• Kerstin Raftis

10 Fragen zu Deiner letzten Reise

Aktualisiert: Mai 21


Der Tod ist absolut unberechenbar, aber er ist kein Notfall. Es kann helfen, sich bewusst zu sein, dass es jederzeit zu Ende sein kann.


Was, wenn Dein Ende so plötzlich und unerwartet eintritt, dass Deine Hinterbliebenen erst einmal völlig mit der Situation überfordert sind? Sie sehen sich mit Fragen konfrontiert, an die vorher niemand im schlimmsten Alptraum gedacht hätte. Nach Deinem Tod werden eine Menge Entscheidungen zu treffen sein, die gerade, wenn man sich emotional auf dem absoluten Tiefpunkt befindet eine enorme physische und psychische Kraftanstrengung bedeuten. Genau in diesem schicksalhaften Moment nicht an ALLES alleine Denken zu müssen, kann für Deine Hinterbliebene eine große Erleichterung sein. Umso genauer sie Deine Wünsche und Vorstellungen kennen, umso einfacher wird es für sie im Ernstfall sein, Deine letzte Reise zu organisieren. In Deutschland gibt es eine Bestattungspflicht, das bedeutet, Deine nahen Angehörigen sind im Fall Deines Todes für Deine Bestattung verantwortlich. Sie müssen Deine Trauerfeier organisieren, unter anderem Dein Totenhemd, die Art Deiner Bestattung und den Ort Deiner letzten Ruhestätte wählen. Es kann eine große Hilfe für Deine Liebsten sein, in einer ohnehin schweren Situation das Gefühl zu haben, in Deinem Sinne zu handeln und Deinen letzten Willen so gut wie möglich umzusetzen. Es kann ihnen helfen, die Belastung in einer absoluten Ausnahmesituation etwas leichter zu ertragen.


Im Folgenden findest Du 10 Fragen, mit deren Hilfe eine erste Annäherung an das Thema möglich sein soll. So kannst Du Deine individuellen Wünsche mit Deiner Familie oder Deinem Partner besprechen.


1. Wer wird einmal Deine Bestattung regeln müssen, wenn Du tot bist?

Es kann im ersten Schritt hilfreich sein, Dir Gedanken darüber zu machen, wer Deinen letzten Willen voraussichtlich umsetzen wird, wenn Du tot bist.

Wer wird die Kraft haben müssen, all Deine Entscheidungen in die Tat um zu setzten. Wird dieser Menschen mit gutem Gewissen Deine Wünsche und Vorstellungen respektieren und in Deinem Sinne handeln. Diese grundsätzliche Frage solltest Du bei all Deinen Entscheidungen, im Hinterkopf behalten. Denn was wäre, wenn Du Dir eine Trauerfeier im Stil einer Heavy Metal Party wünschen würdest, dies aber von Deiner 75jährigen Mama umgesetzt werden soll, die einen derartigen Abschied als nicht angemessen erachtet.


2. Was bedeutet Abschied nehmen für Dich?

Es gibt viele Arten um Abschied zu nehmen. Menschen gehen sehr unterschiedlich mit dem Tod um. Die einen wollen dies im „Stillen Kämmerlein“ in Gedanken und ganz im Stillen tun. Andere wünschen eine offene Aufbahrung, weil dies in ihrer Familie bisher üblich war und für sie hilfreich sein kann, um den Tod besser zu begreifen. Eine letzte Berührung oder ein letzter Kuss können dem Trauerprozess dienlich sein, aber nicht jeder will das vor einer großen Trauergemeinde tun? Was auch immer Du Dir für Deinen Tod vorstellen kannst, es wird Auswirkungen auf alle Beteiligten haben und deshalb kann es sehr hilfreich sein, sich darüber auszutauschen, damit Deine Hinterblieben auch in Deinem Sinne handeln können.


3. Welche Art von Bestattung wünscht Du Dir? Erdbestattung, Feuerbestattung, Seebestattung? Oder etwas völlig anderes?

In Deutschland gibt es neben den zwei bekanntesten Bestattungsarten wie der Erd- und der Feuerbestattung immer mehr neue, alternative Möglichkeiten, wie Baum- oder Naturbestattung, Diamantbestattung, Kristallbestattung und viele weitere. All diese Alternativen Arten setzen jedoch alle eine Einäscherung des Leichnams voraus. Teilweise können bei diesen Alternativen die zum Teil sehr hohen Kosten für Grab, Grabstein und Grabpflege komplett entfallen. Ob Du nun die Bestattungsart im Einklang mit der Natur wünschst, an Deinen finanziellen Möglichkeiten ausrichtest oder Dich am gesellschaftlichen Wandel orientieren möchtest, dass alles immer schneller, einfacher und praktischer sein soll, bleibt Dir selbst überlassen. Grundsätzlich solltest Du bei Deinen Überlegungen, aber bedenken, dass in Deutschland sowohl für den Sarg, wie auch für eine Urne ein Friedhofszwang besteht.


4. Welche Kleidung willst Du als „Letztes Hemd“ tragen?

Für Menschen, die ein Leben lang auf ihren ökologischen Fußabdruck geachtet haben, kann es durchaus wichtig sein, klimatechnische Überlegungen bei der Planung der eignen Beerdigung mit einfließen zu lassen. Sollte Dir eine ökologisch einwandfreie Bestattung wichtig sein? Dann solltest Du aber auch daran denken, dass Dein letztes Hemd aus komplett biologisch abbaubaren Materialien, wie zum Beispiel ungebleichter Bio-Baumwolle, besteht. Denn auch die Kleidung kann dazu beitragen, dass der Zersetzungsprozess hinausgezögert wird. Wer also auf eine gute Klimabilanz Wert legt, sollte eben auch bei der Sargwäsche entsprechend darauf achten.


5. Wie soll Deine Trauerfeier gestaltet werden, aufwendig oder eher schlicht?

Grundsätzlich gibt es unzählige Arten, wie sich Menschen ihre Trauerfeier vorstellen. Das hängt ganz von Deiner persönlichen Überzeugung, Deiner jeweiligen Glaubensrichtung, Deiner Lebenseinstellung und nicht zuletzt von Deiner sozialen und kulturellen Prägung ab. Die Auswahl Deiner Bestattungsart und der damit verbundenen Trauerfeier ist etwas sehr Persönliches und sollte Deine Individualität auch im Tod unterstreichen. Einen nicht unerheblichen Einfluss hat sicherlich auch Deine finanzielle Situation bzw. die Deiner Hinterbliebenen. Je nachdem wie hoch Deine Qualitätsansprüche und Deine individuellen Wünsche sind, können die Gesamtkosten um mehrere tausend Euro abweichen. Dies solltest Du bei der Überlegung zu Deiner Trauerfeier bedenken.


6. Welche Musik/welches Lied soll auf Deiner Beerdigung gespielt werden?

Hast Du schon eine Vorstellung und spezielle Musikwünsche? Kennen und teilen Deine Hinterbliebenen Deinen Musikgeschmack bzw. ist es in Ordnung für Sie, den einen oder anderen sehr ausgefallenen Song zu spielen? Klar kannst Du auf dem Standpunkt beharren, das ist meine Trauerfeier und mein Musikwunsch. Du solltest nur bedenken, dass Tante Erna vielleicht bei der einen oder anderen Wahl etwas irritiert sein könnte oder Deinen Eltern deine Musikauswahl etwas peinlich. Aber grundsätzlich ist fast alles erlaubt.


7. Was wünscht Du Dir von der Trauergemeinde? (z.B.: Blumenschmuck als letzter Gruß oder soll die Trauergemeinde besser für Dein Herzensprojekt spenden?)

Viele Menschen bringen gerne zu einer Trauerfeier Blumen mit. Je nach Bestattungsart oder Ort kann dies aber hinderlich oder unpassend sein. Zum Beispiel, wenn Du Dich für eine Baumbestattung in einem Friedwald entschieden hast, bei dem keinerlei Grabbeigaben, oder Blumenschmuck erlaubt sind, damit so wenig wie möglich in die Natur eingegriffen wird. Die Blumen könnten auch Thema sein, wenn Du eine Feuerbestattung wünscht und Dein Sarg sofort nach der Trauerfeier in ein Krematorium überführt wird. Hier würde es bedeuten, dass die schönen Blumen evtl. mit verbrannt werden oder Deine Hinterbliebenen den schönen Blumenschmuck mit nach Hause nehmen müssten. Dies kannst Du umgehen, in dem Du verfügst, dass die Menschen, die Dir die letzte Ehre erweisen, für dein bestimmtes Projekt, oder einen Verein spenden, der Dir am Herzen liegt anstatt Blumen mit zu bringen.


8. Gibt es konkrete Vorstellungen für Deine letzte Ruhestätte?

In diesem Zusammenhang kann vor allem auch die Frage von Bedeutung sein, ob Deine Hinterbliebenen einen Ort zum Trauern haben sollen. Wenn Du zum Beispiel das Meer liebst und Dich für eine Seebestattung entscheidest, solltest Du auch immer bedenken, dass es für Deine Hinterbliebenen keinen richtigen Ort zum Trauern geben wird. Ich kann mich gut an eine sehr berührende Begegnung mit einer älteren Dame in einem Trauer-Café erinnern. Sie erzählte mir, wie sehr sie darunter litt, dass ihr Ehemann in seinem letzten Willen eine Seebestattung verfügt hatte. Sie leidet seit seinem Tod jeden Tag darunter, weil sie keinen greifbaren Platz, keinen physischen Ort zum Trauern hat. Keine Stelle, zu der sie hingehen, nichts wo sie Blumen auslegen kann. Nichts! Sie konnte wegen ihres Gesundheitszustandes nicht einmal die für sie beschwerliche Reise in den Norden antreten, um an der Seebestattung ihres Mannes teilzunehmen. Dieser Umstand belastete sie seit seinem Tod sehr. Bedenke deshalb bei der Wahl Deiner letzten Ruhestätte bitte auch, dass Deine Hinterbliebenen damit weiterleben müssen.


9. Hast du schon Dein Testament gemacht?

Was glaubst Du, wie viele Menschen in Deutschland ein Testament formulieren oder einen letzten Willen verfassen? Die Meisten? Die Hälfte? Nein, es sind erschreckenderweise gerade mal knapp ein Viertel aller Befragten. Das heißt mehr als 75 Prozent der Menschen machen nichts!!! 75 Prozent! Ist das nicht unglaublich? Immerhin sterben 100 Prozent der Menschheit! Also ich bin davon überzeugt, dass jeder Volljährige ein Testament haben sollte - Man ist nie zu jung dafür!


10. Glaubst Du, an ein Leben nach dem Tod?

Die Meinungen dazu gehen wohl noch immer weit auseinander. Obwohl mittlerweile seriöse Forscher behaupten: Unsere Seele gibt es wirklich und unser Bewusstsein ist in ihrer Unsterblichkeit genauso ein Grundelement dieser Welt, wie Energie, Raum und Zeit. In wie weit Du an ein Fortbestehen Deiner Seele glauben willst oder nicht, bleibt Dir natürlich selbst überlassen. Aber viele Menschen berichten davon, dass sie nach einer schweren Phase der Trauer, über den Tod hinaus eine gewisse Verbindung zu ihren Toten spüren konnten. Die Verstorbenen wurden zu Schutzengeln oder spirituellen Begleiter und die Überlebenden entwickeln ein tiefes Gefühl der Verbundenheit. Der eine hält es für Hokuspokus, dem anderen Hilft es den Tod eines geliebten Menschen leichter zu überleben. In jedem Fall kann es eine Bereicherung für alle sein, hier einmal die unterschiedlichen Vorstellungen und Thesen auszutauschen.


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